Bronzestatuen an einem historischen Gebäude in der hannoverschen Innenstadt unter einem klaren blauen Himmel.

Hannover: Neue Tafeln markieren Orte jüdischer Geschichte

Neue Stadttafeln an der Strangriede: Ein doppeltes Mahnmal

Zwei neue Stadttafeln an der Strangriede machen ab sofort zwei prägende Kapitel der hannoverschen Stadtgeschichte im öffentlichen Raum sichtbar. Oberbürgermeister Belit Onay und Michael Fürst, Präsident des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, enthüllten die Informationstafeln am Montag, den 7. September, anlässlich des 85. Jahrestages der sogenannten „Aktion Lauterbacher“.

Ein Ort des Lebens und der Verfolgung

Die neuen Tafeln wurden bewusst an Orten platziert, die eine doppelte Geschichte erzählen. Eine der Tafeln informiert über den jüdischen Friedhof An der Strangriede. Die Anlage wurde zwischen 1858 und 1864 nach Plänen des jüdischen Architekten Edwin Oppler errichtet und diente bis 1924 als Friedhof der jüdischen Gemeinde. Mit über 2.500 erhaltenen Grabstätten gilt das Areal heute als ein bedeutendes Zeugnis des jüdischen Lebens in Hannover während des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

Hannover: Neue Tafeln markieren Orte jüdischer Geschichte

Die zweite Tafel thematisiert das direkt benachbarte Gebäude An der Strangriede 55. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde dieses Haus als „Judenhaus“ zweckentfremdet. Im September 1941 wurden dort rund 1.200 hannoversche Jüdinnen und Juden unter Zwang zusammengepfercht, nachdem sie ihre eigenen Wohnungen verlassen mussten. Diese Zwangseinweisungen im Rahmen der „Aktion Lauterbacher“ markierten eine direkte Vorstufe zu den späteren Deportationen in die Konzentrationslager.

Hannover: Neue Tafeln markieren Orte jüdischer Geschichte

Erinnerungskultur im Stadtbild

Für die Jüdische Gemeinde Hannover ist die Sichtbarmachung dieser Orte ein wesentlicher Bestandteil der Erinnerungsarbeit. Michael Fürst betonte bei der Enthüllung, dass die Tafeln nicht nur an das Leid erinnern, sondern auch die Menschen würdigen, die an diesen Orten gelebt haben. Angesichts einer Zeit, in der jüdisches Leben in Deutschland wieder stärker angegriffen wird, gewinnt dieses öffentliche Gedenken an historischer Relevanz. Oberbürgermeister Belit Onay unterstrich, dass die Tafeln dazu einladen, genauer hinzusehen und sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen, die weit über die Zeit der NS-Verfolgung hinausreicht.

Wichtige Punkte zur Umsetzung

Das Projekt ist Teil einer fortlaufenden Überarbeitung und Erweiterung des städtischen Stadttafelprogramms. Die Texte für die Neugestaltung stammen von den Historikern Dr. Marlis Buchholz und Dr. Peter Schulze. Die Stadt Hannover plant, diese physischen Informationen an historischen Orten künftig durch digitale Angebote zu ergänzen, um die Stadtgeschichte für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Interessierte Bürgerinnen und Bürger können die Inhalte der Tafeln zudem vorab über das Online-Portal der Landeshauptstadt Hannover als PDF-Dokument abrufen, um sich auf einen Besuch vor Ort vorzubereiten.

Quelle: State Capital Hannover News

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