Von der Redaktion Tierscherzgebiet
Veröffentlicht am 9. September 2026
Von einer erhöhten Plattform fällt der Blick über historische Grabsteine und die geschützte Fläche des Mainzer Judensands. Genau an diesem sensiblen Übergang zwischen Annäherung und Abstand steht das neue Sali-Levi-Haus, das die Landeshauptstadt Mainz am Sonntag, 6. September 2026, mit einem Festakt und einem Bürgerfest eröffnet hat.
Das Besuchszentrum soll den Alten Jüdischen Friedhof Mainz verständlich machen, ohne dessen religiöse Bedeutung und die Würde der Begräbnisstätte zu beeinträchtigen. Es ist das erste Besuchszentrum innerhalb des UNESCO-Welterbes der SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz.
Die Ausstellung führt in das mittelalterliche Magenza
Im Sali-Levi-Haus zeigt eine Dauerausstellung, welche Rolle das mittelalterliche Magenza für das jüdische Leben in Europa spielte. Besucherinnen und Besucher erfahren dort von religiöser Gelehrsamkeit und kulturellem Leben, aber auch von Verfolgung und Vertreibung.
Der erhöhte Standort gehört zum Vermittlungskonzept: Von hier lässt sich der Friedhof überblicken, bevor sich Gäste seiner Geschichte weiter annähern. Beim Bürgerfest zur Eröffnung wurden Führungen durch die Ausstellung und über den zugänglichen Teil des Friedhofs angeboten. Familien konnten die Geschichte der SchUM-Gemeinden am SchUMobil erkunden; parallel öffnete die Jüdische Gemeinde die Neue Synagoge für Führungen und ein Konzert.

Für die Tage nach der Eröffnung kündigte die Stadt weitere Angebote für Schulklassen, Ausstellungsführungen sowie Rundgänge über den Alten und den Neuen Jüdischen Friedhof an. Auch die Klanginstallation „The Magenza Protocols“ und Veranstaltungen der SchUM-Kulturtage gehören zum Programm. Reguläre Öffnungszeiten, mögliche Anmeldebedingungen und Eintrittsregelungen nennt die vorliegende Pressemitteilung nicht; diese sollten vor einem Besuch über das Informationsangebot zum Judensand geprüft werden.
Rund 1.700 Steine erzählen von mehr als 1.000 Jahren
Der Mainzer Judensand zählt zu den ältesten und bedeutendsten jüdischen Begräbnisstätten Europas. Nahezu 1.700 Grab- und Gedenksteine dokumentieren mehr als ein Jahrtausend jüdischer Geschichte.
Gemeinsam mit den jüdischen Monumenten in Speyer und Worms gehört der Friedhof zum seriellen UNESCO-Welterbe SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz. Die Stätten wurden 2021 in die Welterbeliste aufgenommen – als erstes Welterbe zur jüdischen Geschichte in Deutschland.
Anna Kischner, Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Mainz-Rheinhessen, beschreibt ihre Gemeinde als Nachfolgerin der mittelalterlichen Mainzer SchUM-Gemeinde. Das neue Zentrum mache eine Geschichte zugänglich, deren Bedeutung weit über Mainz hinausreiche. Oberbürgermeister Nino Haase betonte bei der Eröffnung zugleich die Verantwortung, die aus diesem Erbe für die Stadt erwachse.

Sichtfenster ermöglichen Nähe, Grenzen schützen den Friedhof
Das Gebäude steht auf dem neu benannten Dr.-Siegmund-Salfeld-Platz oberhalb des Friedhofs. Ein neu gestalteter Eingang an der Mombacher Straße sowie eine von der Stadt als „sprechende Hülle“ bezeichnete Einfassung aus Hecke, Zaun und Sichtfenstern eröffnen zusätzliche Perspektiven auf das Gelände.
Diese Gestaltung macht die Schutzgrenze sichtbar. Der Zugang zum Denkmalfriedhof bleibt Menschen vorbehalten, die ihn aus religiösen Motiven betreten. Andere Gäste können den Ort über die Ausstellung, den Ausblick und die freigegebenen Bereiche erschließen.
Zwei Mainzer Rabbiner prägen die Erinnerung
Namensgeber des Besuchszentrums ist Rabbiner Sali Levi. Gemeinsam mit Rabbiner und Historiker Siegmund Salfeld brachte er wiederentdeckte mittelalterliche Grabsteine auf den Judensand zurück. Daraus entstand der 1926 eingeweihte Denkmalfriedhof, dessen 100-jähriges Bestehen 2026 begangen wird.
Mit dem Platznamen erinnert Mainz außerdem an Salfeld, der ab 1880 in der jüdischen Gemeinde wirkte und die jüdische Geschichte erforschte. Nach einem Gestaltungswettbewerb 2019 liefen ab 2021 die Planungen; im Juni 2024 begannen die Bauarbeiten am Zentrum und an den Freianlagen. Die Architektur stammt von Holzer Kobler Architekten, die Freiraumplanung von SINAI Landschaftsarchitekten. Bach Dolder und Anna Kraus Design Practice gestalteten die Dauerausstellung.
Quelle: State Capital Mainz Press Releases
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Quellenprüfung Quellennachweis
Der Beitrag ordnet die Eröffnung anhand der Pressemitteilung der Landeshauptstadt Mainz vom September 2026 ein.
- Eröffnungsdatum und Veranstaltungsprogramm mit der städtischen Mitteilung abgeglichen
- Angaben zum UNESCO-Welterbe und zu den beteiligten SchUM-Städten geprüft
- Zahl der Grab- und Gedenksteine sowie das Alter des Judensands übernommen
- Zugangsgrenzen zum Denkmalfriedhof ausdrücklich kenntlich gemacht
- Quelle
- Landeshauptstadt Mainz – Pressemitteilung
- Umfang
- Mainz
- Aktualisiert
- 2026-09-09 19:16
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