Eine blonde Frau mit kurzem Haar trägt ein weißes Hemd und sitzt mit verschränkten Armen.

Kiel: „Erschossene Renaissance“ am 20. August

Am Donnerstag, 20. August 2026, richtet sich der Blick im Flandernbunker Mahnmal Kilian e.V. auf die ukrainische Avantgarde und ihre Bedeutung bis in die Gegenwart. Das Kunstgespräch „Die ‚erschossene Renaissance‘ – die ukrainische Avantgarde damals und heute“ findet von 18:00 bis 20:00 Uhr statt. Zu Gast ist die Kunsthistorikerin und Kuratorin Dr. Olena Balun.

Der Abend dürfte vor allem Menschen ansprechen, die sich für Kunstgeschichte, ukrainische Kultur sowie die Folgen politischer Gewalt für Kunst und kulturelles Erbe interessieren. Die Ankündigung der Kunsthalle zu Kiel nennt weder einen Eintrittspreis noch eine erforderliche Anmeldung. Auch Angaben zu Barrierefreiheit und Anreise liegen darin nicht vor.

Warum von einer „erschossenen Renaissance“ gesprochen wird

Der Titel bezeichnet eine tiefgreifende Zäsur in der ukrainischen Kulturgeschichte. Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts entwickelte sich in der von Kriegen erschütterten Ukraine eine moderne, international vernetzte und experimentierfreudige Kunst- und Kulturszene. Kunstschaffende und Intellektuelle suchten nach neuen Ausdrucksformen und verstanden ihre Arbeit zugleich als Teil des Aufbaus einer besseren Gesellschaft.

Nach Darstellung der Veranstalter reichte der Einfluss dieser kulturellen und intellektuellen Bewegung über die Kunst hinaus: Ihre Akteure wirkten auch auf Bildung, Wissenschaft und Politik ein. In den 1930er-Jahren wurde dieser Aufschwung gewaltsam beendet. Folter, Straflager und Hinrichtungen trafen zahlreiche Beteiligte; anschließend wurden Opfer kriminalisiert, Werke zerstört und Erinnerungen an ihre Urheber systematisch verdrängt. Für diese Verbindung aus kultureller Blüte und gewaltsamer Auslöschung steht der Begriff „erschossene Renaissance“.

Das Gespräch greift damit nicht nur eine historische Kunstepoche auf. Es fragt zugleich, wie kulturelle Identität entsteht, wie sie angegriffen werden kann und welche Rolle Kunstschaffende unter solchen Bedingungen übernehmen.

Dr. Olena Balun verbindet Geschichte und Gegenwart

Balun beleuchtet im Flandernbunker die historische Entwicklung der ukrainischen Moderne und Avantgarde zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Darüber hinaus zieht sie Parallelen zu heutigen Handlungsstrategien ukrainischer Kunst- und Kulturschaffender angesichts von Zerstörung und Fremdaneignung durch Russland. Der Vergleich zwischen den beiden Zeiträumen bildet den inhaltlichen Schwerpunkt des Abends.

Die Referentin wurde in Kyiw geboren und studierte zunächst Fremdsprachen an der Taras-Schewtschenko-Universität Kyiw, anschließend Kunstgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dort promovierte sie 2014 mit einer Arbeit über die ukrainische Avantgarde. Später lehrte sie Kunstgeschichte an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, arbeitete als freie Kuratorin und engagierte sich im Ukraine Art Aid Center für den Erhalt und die Sicherung kriegsbedrohter ukrainischer Kulturgüter. Seit Oktober 2024 ist sie Kuratorin an der Akademie der Bildenden Künste in München.

Moderiert wird das Gespräch von Sarah Petschow, Geschäftsführung des SHKV. Das Veranstaltungsprogramm findet im Auftrag der Kunsthalle zu Kiel statt.

Termin und Ort auf einen Blick

Information Angabe
Veranstaltung „Die ‚erschossene Renaissance‘ – die ukrainische Avantgarde damals und heute“
Datum Donnerstag, 20. August 2026
Zeit 18:00 bis 20:00 Uhr
Ort Flandernbunker Mahnmal Kilian e.V.
Adresse Kiellinie 249, 24106 Kiel
Gesprächsgast Dr. Olena Balun
Moderation Sarah Petschow

Maßgeblich für mögliche Ergänzungen zu Eintritt und Anmeldung ist die Veranstaltungsankündigung der Kunsthalle zu Kiel.

Quelle: Kunsthalle zu Kiel – Veranstaltungen

Kommentare

Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste!

Weitere Geschichten